Nonverbale Kommunikation: Was ist sie und wie kann man sie erlernen?

"Man kann sich aussuchen, ob man redet oder nicht, aber nonverbale Signale schweigen nie."

In diesem Artikel erklärt Anne Beall – Autorin, Sozialpsychologin und Expertin für nonverbale Kommunikation – die Grundlagen der Körpersprache und wie wir lernen können, die Gefühle von Menschen aus ihr abzulesen.

Anders als gesprochene Sprache, die uns Informationen nur durch die Bedeutung der Wörter und wie diese gesprochen werden vermittelt, bezieht nonverbale Kommunikation den ganzen Körper mit ein. Ihr Gesicht, Ihre Augen, Haltung, Handbewegungen, die Ausrichtung Ihres Körpers und Ihre Nähe zu anderen sagen alle etwas über Ihre Gefühle aus.

Anne Beall entwickelte die PERCEIVE™-Methode zum Lesen nonverbalen Verhaltens, da sie immer wieder beobachten musste, wie schwer sich Führungskräfte damit tun, die Reaktionen anderer zu verstehen. Sie wollte ein übersichtliches Modell entwickeln, um dieses komplexe Thema besser verständlich zu machen.

Anne Beall und ihr Team benutzen PERCEIVE™ in der Marktforschung, um Menschen besser zu verstehen, die ihre Gedanken und Gefühle hinsichtlich ihrer Gewohnheiten und Erfahrungen mit Marken nicht zum Ausdruck bringen können oder wollen.

Sie können Anne Bealls Ratschläge in vielen Alltagssituationen anwenden, um die Reaktionen von Menschen auf Ihr Unternehmen besser zu verstehen.

Im Folgenden finden Sie einige zusammengefasste Einsichten aus Anne Bealls Buch Reading the Hidden Communications Around You: A Guide To Reading Body Language in the Workplace (Die verborgenen Botschaften in Ihrer Umgebung: eine Anleitung zum besseren Verständnis der Körpersprache am Arbeitsplatz). Diese werden Ihnen dabei helfen, nonverbale Kommunikation besser zu verstehen.

Nähe und relative Ausrichtung: die Grundlagen

Zuerst befassen wir uns mit Nähe und relativer Orientierung. Diese bilden die Basis aller nonverbalen Kommunikation.

Alle Körpersprache findet innerhalb dieser zwei Dinge statt:

  • Nähe beschreibt den Abstand zwischen zwei Personen
  • Relative Ausrichtung beschreibt den Winkel, in dem zwei Personen zueinander stehen

Nähe und relative Ausrichtung sind die zwei Hauptanhaltspunkte dafür, was Sie von jemandem halten.

Hier sind die Gründe dafür:

  • Wenn Sie jemanden mögen oder interessant finden, sitzen oder stehen Sie näher aneinander.
  • Je näher Sie jemandem emotional stehen, desto enger interagieren Sie auch körperlich.
  • Wenn sich jemand im Gespräch von Ihnen abwendet, den Augenkontakt abbricht oder die Unterhaltung unterbricht, kann das daran liegen, dass Sie in ihren oder seinen persönlichen Raum eingedrungen sind.
  • Männer stehen anderen Menschen, insbesondere anderen Männern, gewöhnlich weniger direkt gegenüber. Frauen dagegen tendieren zu direkterer Orientierung.
  • Dominante Persönlichkeiten befinden sich gewöhnlich im Zentrum von Gruppengesprächen.
  • Introvertierte Menschen halten mehr Abstand als extrovertierte.
  • Rivalen tendieren dazu, sich gegenüber voneinander mit reichlich Abstand zu positionieren. Menschen, die miteinander kooperieren, sitzen dagegen gewöhnlich nah nebeneinander oder einander zugewandt.

Übung macht den Meister. Probieren Sie es selbst aus:

  • Beobachten Sie, wie eng Paare, Freunde und Arbeitskollegen interagieren. Richten Sie dann Ihre Aufmerksamkeit auf Ihnen unbekannte Menschen und versuchen Sie, zu erraten, in welchem Verhältnis sie zueinander stehen.
  • Wen schauen Menschen in einem Meeting an? Ist es die mächtigste Person im Raum? Wenden sie sich dieser Person zu, wenn er oder sie spricht? Was kann Ihnen physische Orientierung über Einfluss in einer Gruppe verraten?
  • Wie positionieren sich Menschen in einer zwanglosen Unterhaltung zueinander? Können Sie an Veränderungen in der Orientierung oder Nähe der Sprechenden zueinander absehen, wann der Austausch fast abgeschlossen ist?

Mienenspiel: Gesichtsaudrücke entschlüsseln

Die sieben Grundemotionen, die in fast allen Kulturen erkannt werden, sind Freude, Traurigkeit, Zorn, Überraschung, Angst, Ekel und Verachtung.

Wie stark wir unsere Gefühle ausdrücken, hängt von unserem Umfeld ab. Am Arbeitsplatz oder in beruflichen Situationen bringen Menschen ihre Gefühle gemildert zum Ausdruck.

Häufig offenbaren unsere Kollegen, Kolleginnen und neuen Kontakte ihre Emotionen auch durch Teilausdrücke.

Woher wissen Sie also, wie sich Ihr Gegenüber wirklich fühlt? Dafür gibt es einige typische Zeichen.

Wie man Freude erkennt

Ein falsches Lächeln findet sich nur auf den Lippen, ein echtes bezieht auch die Augen mit ein.

Wie man Traurigkeit erkennt

Sie können an den Augen und Augenlidern erkennen, wenn jemant traurig ist. Die inneren Winkel der Augen und Augenbrauen sind dann leicht angehoben.

Wie man Zorn erkennt

Wut erkennt man an gerunzelter Stirn und gesenkten Augen. Die Augenbrauen sind zusammengezogen, und manchmal bilden sich zwischen ihnen zwei Linien.

Wie man Überraschung erkennt

Überraschung drückt sich durch gehobene Augen und Falten auf der Stirn aus.

Wie man Angst erkennt

Angst kann an gehobenen und möglicherweise leicht zusammengezogenen Augenbrauen erkannt werden. Die Oberlider sind dabei auch oft angehoben.

Wie man Ekel erkennt

Bei Ekel werden die Augenbrauen gesenkt, die Nase gerümpft und die Oberlippe nach oben gezogen.

Wie man Verachtung erkennt

Verachtung drückt sich üblicherweise dadurch aus, dass ein Mundwinkel angespannt und leicht nach oben gezogen wird.

Üben Sie, unterschiedliche Gesichtsausdrücke zu erkennen

  • Stellen Sie sich vor einen Spiegel und versuchen Sie, Freude, Wut, Trauer, Verachtung, Überraschung, Angst und Ekel zum Ausdruck zu bringen.
  • Oder filmen Sie sich dabei, wie Sie über ein Thema reden, das Ihnen leichtfällt und eines, das Ihnen Schwierigkeiten bereitet. Sehen Sie sich das Video verlangsamt an und achten Sie auf flüchtige Gesichtsausdrücke (Mikroexpressionen). Oder schauen Sie sich unterschiedliche Unterhaltungen in Talkshows an. Vergleichen Sie eine lustige, unbeschwerte mit einer heiklen Episode und achten Sie insbesondere auf Hinweise in der Körpersprache.
  • (Sie erhalten Zusatzpunkte, wenn Sie dabei nicht lachen müssen.)

Kontakt: Was Berührungen verraten

Berührungen teilen die Art der Beziehung zwischen zwei Menschen mit. Körperkontakt zeigt Gefühle und wird enger, wenn zwei Menschen vertrauter werden und sich wohl miteinander fühlen.

In beruflichen Zusammenhängen gibt es den wenigsten Körperkontakt. Der meiste Kontakt existiert zwischen Freunden und Menschen in Intimbeziehungen. Behalten Sie das im Blick, wenn Sie mit neuen Bekannten, Kollegen oder Geschäftskontakten kommunizieren.

Menschen tendieren dazu, andere zu berühren, wenn sie sie von etwas überzeugen oder beeinflussen wollen oder auch, wenn ihr Gegenüber einen niedrigeren Status hat. Es ist wenig überraschend, dass extrovertierte, selbstsichere Menschen andere mehr berühren als introvertierte.

Achten Sie auf:

  • Ritualisierte Gesten (Handschlag): Wie viel Abstand besteht zwischen zwei Personen, wenn sie sich die Hand geben? Was macht die andere Hand während des Händedrucks?
  • „Spontane“ Gesten: Wann finden sie statt? Wer initiiert und wer wird berührt? Wird es erwidert? Was verrät diese Berührung über die Art der Beziehung zwischen den beiden Personen?
  • Beobachten Sie genau, wenn andere Sie spontan berühren. Finden diese Berührungen in besonderen Situationen statt? Will Sie vielleicht jemand davon überzeugen, etwas zu tun oder bittet Sie um einen Gefallen?

Augen: Erkennen Sie, was wirklich in anderen vorgeht

Ganz ohne Absicht schauen wir Menschen, die wir mögen und an denen wir interessiert sind, länger und häufiger an.

Schauen Sie jemals nach oben und nach links, wenn Sie über etwas nachdenken? Die Bewegungen der Augen bezeugen, wenn Sie ein Thema geistig komplex oder emotional schwierig finden.

Ihr Blickverlauf sagt viel über Ihre Persönlichkeitsmerkmale aus. Schüchterne Menschen, Menschen, die in sozialen Situationen angespannt sind, sowie Menschen mit niedrigem Selbstbewusstsein oder negativen Gefühlen sich selbst gegenüber tendieren alle dazu, andere weniger häufig anzuschauen. Selbstsichere, extrovertierte Personen halten länger Blickkontakt.

Lernen Sie, Augenbewegungen zu lesen

  • Schauen Sie einen Film mit Charakteren, die unterschiedlich gut miteinander auskommen. Beobachten Sie, wie oft sie einander ansehen. Blicken sich Leute, die sich gern mögen, häufiger an?
  • Achten Sie auch einmal darauf, wie langweilige und interessante Themen die Bewegungen der Augen beeinflussen. Schauen Menschen Sie weniger an, wenn Sie unterhaltsam oder wenn Sie eintönig sind?
  • Experimentieren sie einmal mit einem guten Freund oder einer guten Freundin: Reden Sie eine Zeit lang über ein Thema, das Ihr Gegenüber langweilig findet. Beobachten Sie die Bewegungen seiner oder ihrer Augen. Wechseln Sie dann zu einem interessanten Thema und achten Sie auf die Veränderung.

Augenkontakt hängt auch vom Geschlecht ab:

  • Beobachten Sie, wie zwei Frauen miteinander interagieren
  • Beobachten Sie, wie zwei Männer miteinander interagieren
  • Beobachten Sie eine Frau und einen Mann miteinander

Individuelle Gesten: Was sie preisgeben

Gesten verraten viel über die Wahrnehmung von Zeit, Reihenfolge, Wichtigkeit und persönlicher Einstellung gegenüber Menschen, Organisationen und Ideen.

Gesten verraten viel über die Wahrnehmung von Zeit, Reihenfolge, Wichtigkeit und persönlicher Einstellung gegenüber Menschen, Organisationen und Ideen.

Wenn Menschen von einem Thema begeistert sind und mit Selbstsicherheit darüber sprechen, tendieren sie mehr zum Gestikulieren.

Hilfe beim Verstehen von Gesten

  • Sehen Sie sich einen TED-Talk zu einem Thema an, das Sie interessiert. Benutzt der Redner oder die Rednerin besonders demonstrative Gesten für Worte, die er oder sie betont?
  • Bitten Sie jemanden, ihren oder seinen Weg zur Arbeit zu beschreiben. Wie benutzt die Person ihre Hände und Arme, um die Reise zu erklären?
  • Fragen Sie dann nach ihrem oder seinem liebsten Urlaubsort und der Reise dorthin. Sind die Gesten anders, wenn es um einen Ort mit positiven Assoziationen geht?

Stimme: Lesen Sie mit den Ohren

Die Stimme ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Ihre Stimme differenziert Sie von anderen und macht Sie erkennbar. Ihr Ton erlaubt Rückschlüsse auf Ihr Alter, Ihr Geschlecht und Ihre Gesellschaftsschicht. Ihre Stimme gibt auch Anhaltspunkte hinsichtlich Ihrer Gefühle und wenn Sie ein Thema intellektuell anspruchsvoll finden.

Außerdem verrät die Stimme unterschwellige Emotionen wie Zorn, Traurigkeit, Freude, Angst und Verachtung. Diese Gefühle werden durch Geschwindigkeit, Stimmhöhe und Tonfall ausgedrückt.

Gewöhnlich formen wir unsere Art zu sprechen auf der Basis von Menschen, die wir mögen oder imitieren wollen. Menschen mit niedrigerem sozialem Status tendieren dazu, die Redeweise von Menschen mit höherem Status zu übernehmen.

Wie man jemandes Stimme liest

Wir achten meistens mehr darauf, was jemand sagt und weniger wie es gesagt wird. Wollen Sie lernen, Stimmen besser zu lesen? Versuchen Sie Folgendes:

  • Wenn Sie das nächste Mal einen Werbeanruf erhalten, versuchen Sie das Alter des Anrufers oder der Anruferin zu erraten. Welche Hinweise rechtfertigen Ihre Einschätzung?
  • Achten Sie darauf, wann Leute in einer Diskussion eine Pause machen und was ihnen schwerfällt zu besprechen. Liegt das daran, dass das Thema für sie eine intellektuelle oder eine emotionale Herausforderung darstellt?
  • Hören Sie einer Fernsehserie zu, ohne hinzusehen. Was verraten die Stimmen über die Gefühle und Gedanken der verschiedenen Charaktere?

Adaptoren: unbewusste Gesten, die viel sagen

Adaptoren sind Verhaltensweisen wie mit den Haaren spielen oder einen Stift drehen. Sie sind ein natürlicher Ausdruck negativer Reaktionen uns selbst oder anderen gegenüber.

Oft sind Adaptoren unauffällig und können leicht übersehen werden. Um Adaptoren besser lesen zu können, versuchen Sie zu erkennen, wann diese Verhaltensweisen auftreten.

Adaptoren lassen sich in zwei Gruppen aufteilen: Selbst-Adaptoren und objektbezogene Adaptoren.

Häufige objektbezogene Adaptoren sind:

  • mit einem Stift spielen
  • ein Smartphone benutzen
  • an einem Trinkhalm, Zahnstocher oder Stift kauen
  • mit einem Stift kritzeln

Häufige Selbst-Adaptoren sind:

  • mit den Haaren spielen
  • sich auf die Lippen beißen oder mit der Zunge über die Lippen fahren
  • an den Nägeln kauen
  • sich im Gesicht berühren

Wie Sie Ihre eigenen Adaptoren erkennen und kontrollieren

  • Schneiden Sie ein Interview mit, in dem kontroverse Fragen gestellt werden. Demonstriert der oder die Befragte Adaptoren?
  • Ermitteln Sie, was Ihre eigenen Adaptoren sind und wann sie zum Einsatz kommen, um die Funktion dieser Gesten besser zu verstehen.
  • Beobachten Sie, wie lange Sie Ihre Adaptoren einsetzen und wann Sie sie abstellen.

Wenn Sie die Körpersprache anderer Menschen beobachten, achten Sie besonders auf die folgenden drei Dinge:

  • Abweichungen davon, wie sich die Person normalerweise verhält
  • Abweichungen von der normativen Situation
  • Variationen im Verhalten mit unterschiedlichen Menschen Diese Abweichungen geben Aufschluss darüber, wie Menschen auf Individuen und Situationen reagieren.

So wie das Erlernen einer neuen Sprache mehr ist als das Auswendiglernen von Vokabeln, erschließt sich auch das Verständnis nonverbaler Kommunikation in Phasen. Üben Sie die verschiedenen Themen unabhängig voneinander und bringen Sie erst am Ende alles zusammen.

Wie die meisten Sprachen ist auch die Körpersprache anfangs besonders schwierig zu verstehen, aber es lohnt sich, je mehr Sie verstehen.

Wenn Sie andere Menschen besser lesen können, beginnen Sie auch Ihre eigenen nonverbalen Kommunikationsstrategien zu hinterfragen. Denken Sie immer daran: Was Sie in anderen lesen, können diese auch in Ihnen erkennen.

Über die Autorin

Anne E. Beall ist Gründerin und CEO von Beall Research, Inc., einem Institut für strategische Marktforschung in Chicago. Sie schreibt über Geschlecht, nonverbale Kommunikation, Marktforschung, wie Tiere und Menschen einander helfen und jüngst auch über die verborgenen Botschaften in Märchen. Sie hat MS, MPhil und Ph.D. Abschlüsse der Yale University in Sozialpsychologie.

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